Urwald Dürrenstein
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Ausflugsziele Niederösterreich: Im Urwald unterwegs

Urwald, ja richtig gelesen. Und da musste ich nicht über den großen Teich oder sonst besonders weit reisen. Denn es gibt in Österreich einen Urwald. Und weil ich das spannend fand und noch nie im Urwald unterwegs war besuchte ich das Wildnisgebiet Dürrenstein. So heißt das erste und einzige Wildnisgebiet in Österreich der Kategorie I nach IUCN (International Union for Conservation of Nature). Was so viel bedeutet wie Schutz, Bewahrung und Erhaltung der Natur. Als Ausflugsziel in Niederösterreich vor allem den Natur- und Waldenthusiasten bekannt. Was dich bei der Exkursion erwartet und einige Gedanken zum Schutz der Natur findest du in diesem Beitrag.

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Urwald Dürrenstein
Ausflugsziele Niederösterreich: Im Urwald unterwegs
Was bedeutet Wildnisgebiet Kategorie I ?

Ein Nationalpark, da ist dir ja sicher einer bekannt, hat nur die Kategorie II. Dies zum Vergleich. Im Wildnisgebiet Dürrenstein darf durch Menschenhand nur minimal eingegriffen werden. Also eigentlich wird hier alles so belassen wie es ist. Es gibt natürlich Vorgänge die auch angrenzende Wälder betreffen. So wechselt das Wild auch einmal die Grenze. Denn Rotwild oder Fuchs und Hase haben noch nichts vom Unterschied Wald zu Urwald gehört. Der Bestand wird auf ein festgelegtes Maß reduziert. Auch der Borkenkäfer wird beobachtet. Ein weiterer minimaler Eingriff ist die Erhaltung der Wege. Schließlich will ich als Besucher auch wieder heil den Urwald verlassen können. Das war’s aber auch schon wieder mit den Maßnahmen durch Menschenhand.

Sehr eingeschränkt ist auch das Betretungsrecht in so einem besonderen Schutzgebiet. Darauf blicke ich als Wanderführerin mit ein bisschen Wehmut. Die freie Betretung der Wälder ist schon eine sehr wichtige Errungenschaft. Zum Glück gibt es einige offizielle Wanderwege die durch das Wildnisgebiet führen und problemlos erwandert werden dürfen. Zum Beispiel der Weg auf die Ybbstalerhütte und weiter auf den Gipfel des Dürrensteins. Tiefer in den Urwald eindringen kann man nur mit geführten Exkursionen. Und an einer dieser Führungen nahm ich teil.

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Wildnisgebiet Dürrenstein
Der Urwald

Im Urwald ist viel Raum für Vielfalt und Diversität. Hier nimmt sich der Mensch zurück und die Natur kann sich entwickeln und Räume zurückerobern. Denn an den Randzonen erkennt man immer noch das forstliche Erbe. Bedeutet zum Beispiel Fichtenbäume in Reih und Glied gepflanzt. Dort und da erkennt man schon den Beginn der Eigendynamik der natürlichen Prozesse. Umgestürzte Bäume, Totholz und aufkommende Buchen die sehr schnell den frei gewordenen Platz einnehmen. Der Mensch nimmt hier die Beobachterrolle ein und versucht die Natur zu verstehen. Veränderungen und Anpassungen der natürlichen Prozesse können für uns Menschen in naher Zukunft wichtig sein. Denn nur wenn wir die Kreisläufe der Natur begreifen, können wir gemeinsam existieren.

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Wildnisgebiet Dürrenstein
Warum ist Passivität nahezu unbegreiflich aber sehr wichtig?

Wie schwer ist es einen Wald so zu belassen wie er ist und sich völlig selbst zu überlassen? Da sind die schönsten Bäume und wir ernten sie nicht. Was könnte ich Schönes daraus produzieren? Da ist ein kleines Bäumchen, eine wertvolle Eiche, die völlig vom Gestrüpp eingenommen wird. Ich könnte … sie ja ein wenig befreien damit sie schön und gerade hoch kommt. Wir könnten auch nur einen kleinen Zaun errichten für die sehr schmackhaften kleinen Tannen. Oder anders herum fällen wir Bäume, die sind nicht gut genug für die weitere Verarbeitung oder einfach zu viel. Vielleicht aber haben wir jetzt genau einen Baum erwischt, der etwas besser mit den aktuellen klimatischen Bedingungen zurechtkommt. Mist. Oder?

Wir kultivieren unsere Landschaft und es fällt uns unheimlich schwer einmal nicht einzugreifen. Der Rückzug und das alleinige Beobachten bereiten uns große Schwierigkeiten. Es wäre aber sehr wichtig auch der Natur ihren Raum zu geben. Denn daraus können sehr wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. Die wir wiederum in der Kulturlandschaft sehr gut nützen können. Denn die Kultivierung hat auch seine Berechtigung. Wir verfolgen ja auch Ziele. Wir möchten eine bestimmte Baumart oder dort Wald und da Feld oder Wiese. Das steht außer Frage und bitte das auch nicht missverstehen. Je näher wir aber in unserer Kulturlandschaft an den natürlichen Kreisläufen arbeiten, je besser wird unser Vorhaben funktionieren. Dafür ist unheimlich komplexes Wissen notwendig. So entstehen bei einer Antwort in der Forschung gleichzeitig fünf neue Fragen. Es wird einem sofort bewusst wie viel man nicht weiß.

Unterwegs im Urwald – die Exkursion

Meine Exkursion im Wildnisgebiet Dürrenstein hat den Titel: „Besuch der 1000 Jährigen Eibe“. Tausend Jahre ist eine ganze Weile, aber eine genaue Vorstellung wie so ein Baum aussehen könnte hatte ich mir nicht gemacht. Vom Parkplatz am Rothschildteich fuhren wir gemeinsam mit unserem Guide noch ein Stück weiter und parkten an einer Forststraße. Von dort ging es gemütlich entlang eines Baches leicht bergauf. Die Forststraße kunstvoll erbaut, damals in der KuK Zeit von den Trentiner Steinmetzen. Bald schon ging es durch den Bach den Wald ca. 400 Höhenmeter teilweise steil bergauf. Trittsicherheit ist erforderlich, denn wir befinden uns im Urwald. Oben drüber und unten durch. Und auch der vergangene Winter hat seine Spuren hinterlassen. Im steileren Gelände ist der Weg überwiegend schattig. An unserem ersten Rastplatz haben wir freie Sicht. Und einen traumhaften Ausblick auf die gegenüberliegende Südwestseite des 1878m hohen Dürrensteins. Die höchste Erhebung im Wildreservat.

Auch an diesem ersichtlichen Berghang lassen sich schon Vorgänge der Natur beobachten. Da sind Lawinenschneisen erkennbar, die dann vorwiegend mit Buchen wieder grün werden. Oder vom Borkenkäfer befallene Fichten die dann zu Totholz werden. Und dabei sehr vielen Organismen Raum bieten.

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Zustieg zur 1000 Jährigen Eibe
Die Eibe [Taxus]

Weiter des Weges kommen wir am Grat bei unserem Ziel der 1000 jährigen Eibe an. Wenn ich so vor diesem Baum stehe habe ich schon ein wenig Ehrfurcht. Denn ehrlich gesagt sieht er nicht aus als wenn er es hier oben immer leicht gehabt hätte. Vom Blitz getroffen und gebrannt. Der Stamm ist keine Einheit mehr und Teile davon sind am Boden. Aber dieser Baum ist noch am Leben. Das Schicksal der Eiben, sie sind sehr genügsam und zäh. Finden immer einen Weg zum Austreiben. Was ihnen ja im kultivierten Garten als Formgehölz als gute Eigenschaft angelastet wird. Sie besitzen ein unheimlich langsames Wachstum. Die Verbreitung ist schwierig. Denn Eiben lassen sich sehr leicht von anderen Baumarten verdrängen und benötigen weibliche und männliche Zapfen. Und früher sollte es ganze Eibenwälder gegeben haben.

Urwald Dürrenstein
1000 Jährige Eibe
Warum sind die Eiben so dezimiert?

Eiben sind giftig für Mensch und Tier. Mann hatte keine große Freude mit diesen Bäumen. Denn in alten Büchern ist nachzulesen, dass in diesem Gebiet „Waldweide“ betrieben wurden. Das bedeutet, dass Rinder auch im Wald weideten. Und damit hier kein Tier an Eiben herankommt und Schaden erleidet, wurden sie einfach entfernt. Ein weiterer Grund ist, weil die Eibe in der Mythologie den Göttern des Todes zugeschrieben wird. Die Begeisterung hielt sich auch da in Grenzen und die Eiben wurden gefällt.
Nach Hildegard von Bingen ist die Eibe der Baum der Fröhlichkeit. Im Sinne von einem Leben nach dem Tod. Die Eiben stehen auch als Metapher für die Ewigkeit. Das kann ich mittlerweile gut nachvollziehen. Das Holz ist hart und gleichzeitig elastisch und wird für den Bogenbau in Verbindung mit der Holzart Hickory verwendet. Die Bestände der Eiben sind geschwunden und sie sind sehr selten geworden. Vereinzelt kann man sie finden. Aber einen richtigen Eibenwald habe ich noch nie gesehen.

Unterwegs im Urwald – Wissenswertes am Wegesrand

Alpen-Fettkraut Gleich zu Beginn, an einer Felswand aus Dolomitgestein das Alpen-Fettkraut. Eine Fleisch fressende Pflanze.

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Alpen Fettkraut

Neon gelbe Flechten die wie ein Graffiti aussehen.

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neon gelbe Flechten

Eisenhut der als besonders giftig gilt.

Apfelmoos hat mich mit seiner Farbe und unheimlich weichen Polstern sehr beeindruckt. Der Name kommt von den apfelförmigen Kapseln, die ich leider noch nicht sehen konnte.

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Apfelmoos

Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Buche und Ahorn stehen in unterschiedlicher Anzahl nebeneinander. Jede Baumart auf seine Art.

Totholz, also abgestorbene und herumliegende oder stehende Bäume, sind ein sehr wertvoller Bestandteil im Urwald. Totholz zum Beispiel, ist ein sehr guter Wasserspeicher. Sogar bei aktuell sehr trockenen Witterungsverältnissen kann man aus einem Stück Totholz Wasser heraus pressen. Das ist ein sehr wesentlicher Faktor wenn es um Hochwasser und Wasser speichern geht. Sehr erkennbar sind an diesen Stämmen oder Baumstümpfen die Weißfäule und Braunfäule. Wo im Wesentlichen bei der Weißfäule der Pilz das Lignin abbaut und als Holzbestandteil die weißliche Zellulose übrig bleibt. Bei der Braunfäule wird die Zellulose abgebaut und das Lignin bleibt bräunlich ersichtlich.

Ameisenhügel und das Geheimnis des funktionierenden Kollektivs wurde gelüftet. Da Ameisen als einzelne Lebewesen nicht als besonders schlau gelten. Die Rote Waldameise wurde mit der Lupe genau bestimmt. Und dass die Raubameise keine Hügel baut war mir sowieso neu.

Fakten zur Exkursion „Besuch der 1000 Jährigen Eibe“
  • Treffpunkt: Rothschild Teich im Steinbachtal Göstling an der Ybbs beim Aufstieg zur Ybbstalerhütte
  • Dauer ca. 7 Stunden
  • Aufstieg ca. 400 hm auf teilweise sehr steilem Weg
  • Ausrüstung: Bergwanderausrüstung mit festen Schuhen, Regenschutz, Sonnenschutz und Jause
Die Planung der Exkursion

Ich plante diesen Tag für ein paar Waldverrückte in der Familie. Anfänglich glaubte ich spontan bei noch traumhaften Wetter im Herbst einen Ausflug zu machen. Da hatte ich mich geirrt. Denn Besucher sind stark limitiert und alle Termin ausgebucht. Jetzt verstehe ich das ja ein bisschen besser. Kurzzeitig sah ich meinen Wunsch die Füße in einen Urwald zu setzen schon dahinschwinden.

Es gibt im Jänner einen Termin, denn man auf der Seite vom Wildnisgebiet Dürrenstein findet, an dem die Termine bekannt gegeben werden. Und da hat man nur wenige Minuten Zeit eine Exkursion zu buchen. Ja das ist wirklich war. Und ich habe mich unheimlich gefreut als ich die Bestätigung für meine erfolgreiche Anmeldung erhalten habe. Was für ein Glück ich da gehabt habe.

Als Alternative habe ich mich schon über das Welterbe der alten Buchenwälder im Nationalpark Kalkalpen informiert.

Ich finde es ist ein einzigartiges Ausflugsziel in Niederösterreich für naturinteressierte, oder für Menschen die einfach einen Tag in der Natur verbringen möchten. Es ist nicht ganz spontan durchführbar aber jeden Plan wert. Und ob uns der Guide mit der Bärenrutschpartie einen Bären aufgebunden hat, kannst du dann selber feststellen.

Solltest du einmal an einer Exkursion teilnehmen wünsche ich dir einen einzigartigen Tag in der Natur.

Und ich lege mir jetzt zuhause einen kleinen Urwald an. Wer hat’s erkannt?

alles liebe angelique

14 Comments

  • Frauenpowertrotzms

    Wusste ich nicht, dass es in Österreich einen Urwald gibt. Meine Tochter ist demnächst wieder drei Monate dort. Gleich weitergeleitet. Ich kann solche Ausflüge nicht mehr machen. Sehr interessant was du schreibst.
    Liebe Grüße Caro

    • angelique

      Liebe Caro, es gibt auch anderswo sehr schöne ebene, befestigte Wege durch den Wald. Es muss ja nicht gleich der Urwald sein. Lieben Dank für deinen Kommentar. lg angelique

    • angelique

      Liebe Andrea, ja der Wald hat schon eine unheimlich positive Ausstrahlung. Nicht umsonst wird gerade hier in der näheren Umgebung das „Waldbaden“ zelebriert. Danke für deinen Kommentar.
      alles liebe angelique

  • Dr. Annette Pitzer

    Dein Bericht war faszinierend und hat mich sehr neugierig auf den Urwald in Niederösterreich gemacht. Steht nun auf meiner Reiseliste ganz oben. Dass die 1000 Jährige Eibe, Ehrfurcht in Dir ausgelöst hat kann ich gut verstehen, mir ging es beim Besuch der ältesten Eibe in Balderschwang, sie soll über 2000 Jahre alt sein, genauso.
    Alles Liebe
    Annette

    • Michelle

      Ich hätte keine Ahnung, dass es einen Urwald in Österreich gibt. Das ist wahnsinnig cool. Ich bin Fan von botanischen Gärten, das wäre natürlich auch der Knaller, den Wald selbst zu besuchen 🙂

    • angelique

      Liebe Annette,
      das freut mich ganz besonders, wenn der Begeisterungsfunke übergesprungen ist. Danke für den Tipp, vielleicht reise ich
      nach Balderschwang?!
      alles liebe angelique

  • Bettina Halbach

    🙂 ein Traum deine Exkursion in den Urlaub, was für schöne Bäume dort stehen und wie unberührt die Natur ist, wäre Österreich um die Ecke, ich würde sofort in deine Fußstapfen treten… danke für den Bericht und die schönen Fotos, liebe Grüße Bettina

    • angelique

      Vielen Dank für dein wertschätzendes Kommentar. So habe ich dich ein wenig in den Urwald mitgenommen.
      Bloggen ist einfach spannend.
      lg angelique

  • Milli

    Ich wusste gar nicht, dass Österreich auch Urwälder hat. Finde ich total cool und spannend. Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen dorthin mal einen Ausflug zu machen. Mitten im Wald ohne Handy kann man einfach am besten abschalten und dem Alltag entfliehen.

    Liebe Grüße, Milli
    (https://www.millilovesfashion.de)

    • angelique

      Liebe Milli,
      freut mich wenn etwas Neues für dich dabei war. Einfach nur in der Natur sein, egal wo, ist die Bestes Auszeit.
      alles liebe angelique

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