Fassadendämmung Unterkonstruktion
BAUEN-SANIEREN,  NATÜRLICH

Detail hinterlüftete Fassade – Unterkonstruktion

Die thermische Sanierung der Fassade steht an. Hier geht es fürs Erste um die Unterkonstruktion der hinterlüfteten Fassade aus Holz. Nachdem ich mich sehr gut über die verschiedenen Materialien für die Dämmung informiert haben, bin ich in den ökologischen Dämmstoff Hanf regelrecht verliebt. Aus welchen Gründen ich mich für Hanfdämmung für fast alle notwendigen Anwendungen entschieden habe, kannst du in meinem Beitrag „ökologische Dämmstoffe für die Sanierung“ nachlesen. Wie bringe ich nun diese Ökodämmung an die Hausmauer und was muss beachtet werden? Kann die Unterkonstruktion der hinterlüfteten Fassade aus Holz in Eigenleistung durchgeführt werden? In den nächsten Zeilen werden einige deiner Fragen bezüglich Fassadendämmung und Unterkonstruktion beantwortet. Und dein Projekt schreitet voran!

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Inhalt
  • 1. Thermische Sanierung allgemein
  • 2. Energieausweis
  • 3. Energieberatung
  • 4. diffusionsoffener Fassadenaufbau
  • 5. Wasserdampfdiffusionswiderstand
  • 6. Vorteil diffusionsoffener Fassadenaufbau
  • 7. Der Aufbau der Unterkonstruktion im Detail [von außen nach innen]
  • 8. Info zur Verwendung der Konstruktionsdetails
  • 9. Detailskizzen für die Unterkonstruktion der hinterlüfteten Holzfassade
  • 10. mögliche ausführende Professionisten
  • 11. Unterkonstruktion selber machen
hinterlüftete Fassade Unterkonstruktion
Fassadendämmung Unterkonstruktion
1. Thermische Sanierung allgemein

Schon vor dem Hauskauf der „Bergvilla Helika“ war mir fast alles bekannt, was an diesem Haus saniert werden muss. Trotzdem stand dem Hauskauf aus diesen Gründen nichts im Wege. Der Hauptgrund für die Dämmung ist für mich, ein behagliches Raumklima zu schaffen. Wohlfühlen steht ganz oben auf der Wunschliste. Die Vermeidung von Bauschäden durch Kondensat und die Einsparung von Energie und Heizkosten kommen als Gründe gleich dahinter.

2. Energieausweis

Wechselt ein Haus in Österreich den Besitzer, ist der Verkäufer verpflichtet über den Energiehaushalt in Form eines Energieausweises zu informieren. Dies war in meinem Fall ein theoretischer Nachweis, über den schlechten energetischen Zustand des Hauses. Diese schlechten Werte im Energieausweiß waren nicht überraschend.
Bei der Besichtigung der Bausubstanz dachte ich mir schon, dass wir eine thermische Sanierung durchführen müssen. Eine 25 cm Ziegelwand ist nicht viel. Und ganz nebenbei wünschte ich mir eigentlich ein Holzhaus zum Wohnen. Nachdem dieser Wunsch nun nicht ganz realisierbar war, wurden die Fassade aus Lärchenholz und der Zubau in Holzkonstruktion geplant.

3. Energieberatung

Eine Energieberatung des „Energiesparverbandes“, in Oberösterreich kostenlos, bestätigte unser Vorhaben und gab Auskunft über die notwendigen Dämmstärken an den verschiedenen Bauteilen. Ein frierendes Erlebnis hatte ich schon. Sicherlich kannst du nachvollziehen, dass hier mit kalten Zehen kein richtiges Wohlfühlen möglich ist. Dabei wurde mir bewusst, wie kalt es in diesem Haus sein kann. Obwohl es nicht besonders kalt war, kühlten die Räume in wenigen Tagen ohne Heizung sehr stark ab. Danach waren mehrer Heiztage notwendig um wieder die normale Innenraumtemperatur zu erreichen. Und die Beratung bestätigte unseren Plan, die Dämmungen vollständig am Haus anzubringen und auch die notwendigen Kosten auf uns zu nehmen. Schließlich wollen wir uns in den eigenen vier Wänden wohl fühlen.

4. Diffusionsoffener Fassadenaufbau

Für die Konstruktion der Dämmung und der Fassade wurde ein diffusionsoffener Aufbau gewählt. Was heißt diffusionsoffen? Grundsätzlich ist diffusionsoffen das Gegenteil von einer luftdichten Gebäudehülle. Die luftdichte Ausführung, in aller Munde und eher das, was normal umgesetzt wird. Dann eher nichts für mich.

Bei meiner Variante kann Wasserdampf, der im Raum entsteht durch den Wandaufbau mehr oder weniger schnell durchdringen. Also Dampf kann nach außen übertreten. Möglich ist dies auf Grund eines Dampfdruckgefälles. In der Regel verläuft das Gefälle von innen nach außen. Der Dampfdruck wandert in Richtung der Seite mit weniger Druck – auf die Außenseite. Und man spricht von Diffusion. Wichtig dabei ist, dass die Materialien der Wand nach außen hin diffusionsoffener werden. Also dichtere Materialien innen anbringen. Sollte dies bei der Konstruktion nicht berücksichtigt werden, entsteht ein Stau von Wasserdampf und es bildet sich Kondenswasser in der Wand. Um dies zu verhindern, muss dann eine Dampfsperre an der im Winter warmen Seite der Konstruktion angebracht werden.

5. Wasserdampfdiffusionswiderstand

Angegeben wird die Eigenschaft Wasserdampfdiffusionswiderstand in der Dampfdiffusionswiderstandszahl µ. Die Zahl sagt aus, wie stark der Baustoff die Diffusion von Wasserdampf verhindert. Immer im Verhältnis zu einer gleich dicken Luftschicht. Holz hat einen Wert von 40 µ und bedeutet dass das Ausdiffundieren einer bestimmten Menge Wasser aus Holz 40 x länger brauch wie das bei Luft der Fall wäre.
Glas = 10.000 µ
Beton = 30-90 µ
Hohlziegel = 3 µ

6. Vorteil diffusionsoffener Fassadenaufbau

Der entscheidende Vorteil bei dieser Konstruktion ist, dass sich nirgends Wasser sammeln kann. So können Schäden durch z.B. Schimmel nicht entstehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Feuchtigkeit in der Wand vorübergehend gespeichert werden und in trockeneren Phasen wieder an dir Raumluft abgegeben werden kann. Dies ist ein kurzfristiger Feuchtigkeitsausgleich, der in den ersten 5-10mm der Wand stattfindet. Dieser Ausgleich ist aber nur möglich, wenn keine dichten Anstriche verwendet werden. Wenn die Wandanstriche ohne Acrylanteil sind hast du das beste Ergebnis. Deshalb habe ich mich in weiterer Folge für eine Lehmfarbe entschieden. Aber bis dahin gibts noch viel an der „Bergvilla Helika“ zu tun und dann werde ich darüber schreiben.

7. Der Aufbau der Unterkonstruktion im Detail [von außen nach innen]
I. Lärchenholzfassade vertikal 30mm

Ich bin ein sehr großer Holzfan und bin von diesem Material sehr überzeugt. Daher wählte ich eine hinterlüftete Holzfassade aus verschieden breiten Brettern aus Lärchenholz mit Deckleisten. Mehr über die Fassade selber wird es in meinem nächsten Beitrag geben.

verwendete Materialien:

  • Holz für Fassade: Lärche Tischlerware 30mm lufttrocken
  • Holz für die Deckleisten: Lärche Tischlereiware 24 mm luftrocken
  • Schrauben für die Fassadenbretter: Holzschrauben mit Senkkopf A2 nicht rostend 5 x 60
  • Schrauben für die Deckleisten: Holzschrauben mit Senkkopf A2 nicht rostend 5 x 90
hinterlüftete Holzfassade Lärche
hinterlüftete Holzfassade Lärche
II. + III. Lattung

Konterlattung horizontal zur Befestigung der Schalungsbretter 28mm, Abstand ca. 80 cm

Hinterlüftung Lattung vertikal 28mm
In diesem Bereich sollte die Luft hinter der Schalung von unten nach oben ungehindert zirkulieren können.

verwendet Materialien:

  • Holz für die Lattung: Lärche 28 x 80 mm, aus den Fassadenbrettern aussortiert und Fichte 28 x 80mm
  • Schrauben für die Lattung: Holzschrauben mit Senkkopf 5 x 80
Lattung für Hinterlüftung
Lattung für Hinterlüftung
IV. Omega Windichtbahn

Diese diffusionsoffene Winddichtung aus strukturiertem, 3 lagigen Polypropylen wird überlappend über der Dämmung angebracht und verklebt. Die Befestigung erfolgte mit Klammern. Auch diese Stellen wurden überklebt. Alle Anschlüsse sind sauber auszuführen, denn jede Lücke bedeutet eine Fehlstelle. Die Winddichtung schütz die Dämmung vor der Witterung und verhindert die Durchdringung der Außenluft.

Winddichtung und 1. Lattung
Winddichtung und 1. Lattung
V. Hanfdämmung 16cm

Wir verwendeten 2 Schichten Dämmung mit jeweils 8 cm. Hier konnten wir handelsübliches Konstruktionsholz 5 x 8 cm in Fichte verwenden. Übliche Holzdimensionen sind leicht im Sägewerk zu beziehen und erfordern keinen Sonderpreis. Der 2 Lagige Aufbau der Dämmung hat noch einen weiteren Vorteil: die kreuzweise Anbringung der Dämmplatten. Das heißt die 2. Lage Dämmplatten ist 90° verdreht zur anderen Lage zwischen den Konstruktionshölzern geklemmt. Fugen zwischen den Dämmplatten werden überdeckt und eine Schicht Staffel wird ebenfalls mit Dämmung überdeckt. Insgesamt erzielt man hier ein besseres Dämmergebnis wenn die Materialien sauber verarbeitet werden. Dieser Verarbeitungstipp wurde mir in einem Beratungsgespräch von „Häuser in Wolle“ mitgeteilt. Der Abstand der Konstruktionshölzer 5/8 wurden in einem Abstand von 58cm angebracht. Die Dämmplatten haben eine Breite von 60 cm und konnten somit gut zwischen den Hölzern geklemmt werden.

Verwendete Materialien:

  • Holz: Fichte 50 x 80 mm – Laufmeterware
  • Schrauben mit Fassadendübel 10 x 160 für die erst Lage zur Befestigung an der bestehenden Mauer
  • Holzschrauben mit Senkkopf 6 x 140 für die zweite Lage zur Befestigung an der ersten Lage

Tipp: kreuzweise, überlappende Anbringung der Dämmplatten verhindert Wärmebrücken

Hanfdämmung kreuzweise anbringen
Hanfdämmung kreuzweise anbringen
8. Info zur Verwendung der Konstruktionsdetails

Die Konstruktion ist ein, auf mein Haus und meinen Wünschen abgestimmtes Beispiel. Jede andere Anwendung muss auf die jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. Bitte dies beim Nachbau beachten.

9. Detailskizzen für die Unterkonstruktion der hinterlüfteten Holzfassade
Detailskizze hinterlüfteten Lärchenfassade
WAAGSCHNITT | Detailskizze hinterlüfteten Lärchenfassade
Detailskizze hinterlüftete Lärchenfassade
LOTSCHNIT | Detailskizze hinterlüftete Lärchenfassade mit Sockelanschluss
10. mögliche ausführende Professionisten können sein
  • Zimmerei- und Holzbaubetrieb
  • Tischlerei (Schreinerei) Hier ist eine Spezialisierung auf Bautischlerei mit Massivholzverarbeitung empfehlenswert.
11. Unterkonstruktion selber machen

Die gesamten Arbeiten wurden in Eigenleistung durchgeführt. Im Wesentlichen vom Bauherren und seiner Gehilfin, meiner Wenigkeit. Es ist für den findigen Handwerker kein Hexenwerk aber es braucht ein bisschen Zeit und Information. Fachleute in greifbarer Nähe oder telefonischer Reichweite zu wissen hilft auch ungemein. Weil der Teufel sitzt meist im Detail und da ist es hilfreich sich noch einmal fachlich abzusichern. Denn Schäden durch unsachgemäße Verarbeitung solltest du jedensfalls vermeiden. Obwohl es eine sehr arbeitsinentsive Zeit war, bin ich am Ende mit dem Ergebnis sehr zufrieden, sowohl technisch als auch optisch.

Blogvorschau

Mehr Fotos von der Fassade, also von meinem nunmehr entstandenen Holzhaus, gibt es dann im nächsten Beitrag „hinterlüftete Holzfassade“. Mit dem Newsletter bist du als Erstes über Neuigkeiten auf angeliquelivingantik informiert. Gleich ganz nach unten scrollen und anmelden. Und schon bist du dabei!

Vielen Dank für das Lesen hier auf meinem Blog.

alles liebe angelique

4 Comments

  • Lucas

    Cooles Projekt! Die Detailverliebtheit nimmt mich auf eine richtige Reise mit. Fühlt sich an, als ob ich vor Ort wäre und dir über die Schulter gucke.

  • Katharina

    Oh das steht uns auch noch bevor… Vielen lieben Dank für den ausfühlichen Artikel! Nun habe ich eine bessere Vorstellung, wie das ganze aufgebaut sein kann. Wir haben uns noch nicht für ein Material entschieden. Habt ihr die Fasade geölt oder etwas in der Art? Ganz liebe Grüße vom http://www.Wendlandrand.de

    • angelique

      Hallo Katharina, freut mich sehr, wenn ich dich auf meiner Reise durch die Sanierung ein Stück weit mitnehmen konnte. Die Fassade (Beitrag kommt noch) ist sägerauh, gebürstet und roh. Sie wird sich unterschiedlich verändern, je nach Himmelsausrichtung. Mich stört das nicht und Fassade streichen wollte ich mir ersparen.
      alles liebe angelique

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