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NATÜRLICH,  SELBERMACHEN

Ein Buch selber binden

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Ich habe ein Buch selbst gebunden und wie ich das angestellt habe zeige ich dir weiter unten im Beitrag. Plus Tipps für Buch & Papier Notfälle. Wer kennt noch einen Buchbinder und weiß, wie es hinter den Kulissen der Buchbinderei so zur Sache geht? Das werden nicht viele sein, denn Buchbinder ist heutzutage kein Beruf am Puls der Zeit. Aber keine Sorge mit deiner Unwissenheit bist du nicht allein. Ich hatte bis vor kurzem auch noch keine Ahnung vom buchbinden und noch weniger wusste ich Bescheid wie eine handwerkliche Buchbinderei von innen aussieht.

Im Zusammenhang mit der Beitragsserie Handwerk lernte ich Julia und Clemens Strandl und ihre handwerkliche Buchbinderei in Linz kennen. Ein junges, engagiertes Team, die beiden Strandls. Zielstrebig bringen sie mit neuen Produkt- und Serviceideen und mit Hilfe der neuen Medien ihr Handwerk der Buchbinderei in das schnelllebige und hippe 21.Jahrhundert. Wo Werte und Ansprüche sich verschieben aber Nachhaltigkeit und das Selbermachen – DIY sehr angesagt sind.

 

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Clemens Strandl Buchbindermeister und Facheinrahmer
Die Buchbinderei

Werkstätten von innen faszinieren mich immer. Sie erzählen so viele Geschichten und man taucht ein, in den persönlichen Lebensbereich eines Handwerkers. Der Blick wandert mit etlichen Fragezeichen, begeistert von der einen Maschine zur anderen. Da sind Materialien, wie Papier und Karton, feinstes sortiert und dort warten Buchschätze auf die Revitalisierung. Schnell tauche ich ein in die fast vergessene Welt der Buchbinderei. Soeben wird mir bewusst wie unendlich die kreativen Möglichkeiten ein Buch zu Gestalten sind und wie edel das Ergebnis sein kann. Und von eben diesen Ergebnis bin ich heute noch überwältigt, denn ich hatte die Möglichkeit ein Buch, ein – nein mein persönlich, individuell abgestimmtes Blogbuch zu binden.
Geniale Möglichkeit – geniales Buch.

 

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Buchbinderei
Buch ist nicht gleich Buch

„Wir binden ein Fauxdori.“ erzählt Julia mit voller Begeisterung. Ein Faux was und die nächsten Fragezeichen stehen mir im Gesicht. Dass mit den Doris ist grandios bemerke ich. Midori oder Fauxdori sind nachhaltige Bücher. Refillable, weil der sogenannte Buchblock, also das Innere eines Buches, die leeren Seiten zum Austauschen vorgesehen sind. Und der Umschlag wiederverwendet werden kann. Zudem haben durch die Art Bindung auch noch lose Zettel Platz oder auch z.B. der Pass kann eingefügt werden. Seinen Ursprung hat diese Art von Buch in Japan mit der anfänglichen Idee eines Traveller Notebooks, also Reisetagebuch. Es kann auch genauso gut ein Skizzenbuch, Tourenbuch, Tagebuch, Art Journal, Bullet Journal oder in meinem Fall ein Blogbuch sein.

 

Handwerkliche Buchbinderei zeichnet aus: unerschöpfliche Kreativität und sehr gute qualitätsvolle Verarbeitung.

 

 

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Fauxdori oder Midori

 

Papier ist geduldig – 4 Praxistipps bei Buch & Papier Notfällen
  • Blutflecken auf dem Papier: vorsichtig mit Chlorwasser abtupfen
  • Eselsohren: mit feuchtem Löschpapier trocken bügeln
  • feuchtgewordenes Buch: Löschpapier zwischen die Seiten legen und trocknen. Dabei das Buch an einem trockenen Ort einige Zeit beschweren.
  • Zusammengeklebte Buchseiten: das Buch einige Minuten bei mäßiger ! Hitze in den Backofen legen. Danach ein paar Stunden in die Sonnen legen und jetzt können die Seiten wieder einzeln geblättert werden.

Sollte das alles nicht funktionieren freut sich Clemens Strandl über deinen Anruf. Bestimmt, und da bin ich mir ganz sicher, hat er die notwendige Maßnahme parat.

 

Ich binde mein Buch
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ein Buch selber binden
1.Papier schneiden

Das Papier scheide ich, in diesem Fall mit einer Papierschneidemaschine, aus großen Bögen. Größe 300 x 210mm. Wir verwenden hochwertiges Papier mit 150g/m². Die Papierreste werden sogleich in einer Schachtel gesammelt und dem Kindergarten zum Basteln übergeben. Abfälle gibt es in der handwerklichen Buchbinderei so gut wie nicht.
Für dich: verwende Papier im A4 Format

2.Papier falten

6 x 6 Seiten werden in der Mitte gefaltet. Mit dem Fingernagel oder dem Falzbein die Kante von einer Seite zur anderen glatt streichen. Nie in der Mitte anfangen, hier entsteht ein unschöner Knick.

Tipp: Papier hat eine Laufrichtung. Papier besteht aus Fasern und diese sollten im gefalteten Zustand parallel zum Buchrücken liegen. Wird dies nicht berücksichtigt, gibt es wellig Seiten oder die Seiten lassen sich schwierig aufschlagen. Erkennen kannst du die Papierlaufrichtung indem du das Blatt Papier faltest. In Laufrichtung geht es einfacher und es entsteht eine schöne Faltkante, quer zur Laufrichtung ist mehr Wiederstand merkbar.

3.Bucheinband

Mein Bucheinband wurde mit viel Liebe und Aufmerksamkeit auf meinen Blog abgestimmt und vorbereitet. Ganz lieben Dank dafür. ;-). Der Einband muss über
Nacht in einer Buchpresse trocknen.
Für dich: verwende einen Karton mit 350g/m² mit der Größe von 330 x 220mm und beklebe ihn außen und innen mit dem gleichen Material z.B. bedrucktes Leinen, Leder, Rohleinen oder Denim.

4.Fadenheftung

Für die Heftung verwenden wir einen Buchbinderzwirn (Dreifachzwirn aus 100% Leinen) und eine größere Nadel. Einen Block mit 6 Seiten ineinander gesteckt, stechen wir mit einer Vorlage und einer Ahlspitze von innen noch aus vor. Insgesamt sind das 6 Löcher. Lege dafür den Block mit der gefalteten Seite an den Rand eines Tisches und beschwere die Seiten mit einem Gewicht. Zwei Heftträger mit ca. 8 cm Länge habe ich vorbereitet.
Für dich: ein Stoff- oder Leinenstreifen kann ebenfalls verwendet werden.

Der erste Stich von außen in die Mitte, dann wieder heraus und nach dem Band wieder zur Heftmitte. Innen bis zum nächsten Band und nach dem Band wieder zur Mitte. Am Ende wieder von innen nach außen. Wiederholung mit allen 6 Heften. Am Ende jedes Heftes mit der vorherigen verknoten. Und es entsteht der Buchblock.

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Fadenheftung
5.Buchblock verleimen

Der Buchblock kommt kurz in die Buchpresse. Nun werden die Hefte am Rücken geleimt. Mit kaltem Buchbinderleim, der bleibt elastisch und bricht nicht. Nach dem trocknen schneide ich den Heftträger zu beiden Seiten ab und fertig ist mein Buchblock.

 

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Buchblock pressen und Buchblock leimen
6.Beschriftung

Mit einem Prägestempel wird die individulle Beschriftung auf den Bucheinband geprägt. Für die Beschriftung habe ich „Villa Helika“ auf den Einband mit Hilfe eines Prägestempels geprägt.

 

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Beschriftung mittels Prägesujet
7.Löcher bohren

Löcher mit einem speziellen Bohrer für die Gummibänder bohren. Am Heftrücken 3 oben und 3 unten und eines in der Mitte.
Für dich: das geht auch mit einer Lochzange, dann sollte das Loch in der Mitte am Rand gemacht werden

8.Einband runden

Am besten den Einband über eine runde Tischkante oder Nudelholz vorsichtig biegen, damit eine schöne Rundung entsteht.

9.Gummibänder einfädeln

Für das mittlere Loch ein Gummiband (Durchmesser ca. 2mm) mit der Länge 300mm zweimal durchfädeln und innen einen Knoten herstellen. Ein weiteres längeres Gummiband von oben nach unten fädeln, sodass innen 3 Stränge sichtbar sind.

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Löcher bohren und Gummbänder einfädeln

Nun gebe ich den Buchblock in den Bucheinband und fädle ihn hinter die Gummibänder ein. Und juhu fertig ist mein selbst gebundenes Buch, Blogbuch. Die Freude über das mit eigenen Händen geformtes, imperfektes aber individuell abgestimmte Werkstück ist unbeschreiblich. Im Moment bin ich der glücklichste Mensch auf Erden.

Möchtest du dieses Gefühl erleben, dann buche einen Kurs bei Julia und Clemens Strandl. Die Materialien für dein eigenes Buch gibt es auch im Shop der Buchbinderei Strandl.

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Der Himmel voller Bücher
Der Himmel voller Bücher

Mögen elektronische Lesegeräte ihre berechtigten Einsatzgebiete dort und da haben. Doch ein Buch in Händen zu halten, mit all seiner besonderen Haptik, Spuren der Nutzung, dem Geruch, der Geschichte neben der zu lesenden Geschichte ist schon etwas ganz Besonderes. Und wie viele Arbeitsschritte es braucht um ein Buch herzustellen. Unglaublich.
Ich mag Bücher, auch wenn ich noch wenig so handwerklich wertvolle Bücher besitze. Der Bloggertag in der Buchbinderei und Facheinrahmerei Strandl hat mir die Augen geöffnet für die Schönheit der Bücher.
Geht es dir im Moment genausso?

alles liebe angelique


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Gin Bar „Medusa Sinful Gin“

Die notwendige kulinarische Stärkung zwischen und nach dem buchbinden sowie eine „Medusa Sinful Gin“ Verkostung kam von Hard Candy Shop. Was eine Candybar ist und wie du sie selber machen kannst erfährst du bei Daniela Wokatsch.


Gerne weiterlesen und die Welt der Buchbinderei aus der Sicht von wildr_ , travel.summer.sea und kingandstars erleben.

17 Comments

  • Julia

    Liebe Angelika!

    Danke für deinen wunderbaren und sehr ausführlichen Beitrag zu unserem 1. Bloggertag in der Buchbinderei. Uns hat es auch Spaß gemacht mit dir ein Buch zu binden und dich kennenzulernen.
    Mach weiter so mit deinem Blog voller spannender Beiträge.

    Liebe Grüße Julia

  • Mo

    Liebe Angelique,

    ein bisschen beneide ich dich ja schon. Ich wollte damals unheimlich Buchbinderin werden und habe mich wie wild auf die Ausbildungsstellen beworben. Leider hat man mich nicht genommen und so blieb mir nur weiterhin Bücher einfach nur zu lesen, statt sie auch selber herzustellen.
    Ich finde es toll, dass du dir dein eigenes Buch gebunden hast und mir gefällt das Ergebnis auch richtig gut. Die SOS Buchtipps sind übrigens klasse. Manches davon wusste ich noch gar nicht.

    Liebe Grüße und viel Freude mit deinem Buch,

    Mo

  • Avaganza

    Das finde ich ja cool! Ich wäre nie auf die Idee gekommen dass man ein Buch selbst binden kann. Also wenn ich mal Zeit habe, möchte ich das unbedingt probieren.

    lg
    Verena

  • Bea

    Das würde ich ja auch gerne mal machen! Da kann man Geschick und Kreativität super unter einen Hut bringen und sich daran üben. Deine sind richtig hübsch geworden!

    Lieben Gruß, Bea.

  • Dresden Mutti

    Wow, das hast du ja sogar richtig professionell gemacht. Ich habe schon einmal Buchrücken selbst geklebt, aber dann nur gelocht und mit Fäden zusammengehalten. Ein Buch richtig zu binden – das ist auch mal eine gute Idee!

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